World Usability Day in Stuttgart

Am 10. November fand in Stuttgart der 7. World Usability Day statt. In 43 Ländern mit über 200 Veranstaltungen wurde gleichzeitig Wissen unter Fachleuten, Studenten und Laien ausgetauscht und diskutiert. Dem Besucher in Stuttgart wurde in ca. 25 Vorträgen, Workshops und einer Ausstellung näher gebracht, wie man Technik einfach und leicht benutzbar macht. Über Grundlagen bis hin zu Expertenwissen, konnte man sich so einiges an Wissen aneignen. Wir, Florian und Melanie von den digiparden, waren mit dabei und haben uns einige Vorträge angesehen.

Es geht los

Nach der Eröffnung durch Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, startete der erste Vortrag von Kostanija Petrovic über holistische (ganzheitliche) Usability. Dieser Prozess beschreibt verkürzt ein Produkt zu entwickeln, welches Freude bei der Bedienung bereitet (User Experience), da es einfach und unkompliziert zu handhaben ist. So beschrieb sie zum Beispiel die Software von SAP als Spaten ohne Griff. Es können noch so viele Möglichkeiten in einem Produkt stecken, es bringt nichts, wenn der User diese nicht oder nur erschwert nutzen kann.

Im darauf folgenden Vortrag „Usability Grundlagen, Berichte aus der Praxis“ von Christian Richter (www.c2web.de), wurden einem noch einmal die Grundlagen von guter Benutzbarkeit vermittelt. Zum Beispiel wurde aufgezeigt, welche Teile des Bildschirms beim Aufruf einer Seite vom Nutzer zuerst fokussiert werden und welche Inhalte dort anzusiedeln sind. Dies lässt sich anhand des „goldenen Dreiecks“, welches via Eye Tracking ermittelt wurde, sehr gut veranschaulichen.

Mit Word 2003 war das noch möglich…

Weiter ging es mit einem Referat über die Entwicklung und Markteinführung einer neuen Benutzeroberfläche für eine Anwendersoftware. Jeannine Kraft veranschaulichte den Prozess, wie Leomedia eine neue grafische Software-Benutzeroberfläche (GUI) für Zeitungsverlage entworfen hat. Von den einzelnen Herausforderungen, wie ambivalente Nutzergruppen, verschiedene Wortlängen in verschiedenen Sprachen, bis hin zur Einführung auf dem Markt, erklärte sie alle Schritte. Auch aus welchen Fehlern das Unternehmen gelernt hatte, wurde von ihr sehr schön erläutert. Zum Beispiel sollten bei der nächsten Entwicklung einer Software viel früher Usability-Tests gemacht werden. Diese wurden bei der aktuellen Version des Programms vernachlässigt.
Die Folien der Präsentation können hier eingesehen werden.  

Suchmaschinen richtig füttern

„Texten fürs Internet – so füttert man Suchmaschinen“ lautete der Titel des Vortrags von Nadine Koltsch. Sie erklärte in verständlichen Worten, wie eine Website strukturiert sein muss und welche Fehler man besser vermeidet. So sind lange Schachtelsätze, der Nominalstil und Anglizismen zu umgehen. Des Weiteren sollten Texte für Laien stets verständlich bleiben. Ein einfacher und interessanter Schreibstil, so wie die Aktualität eines Artikels sollten selbstverständlich sein. Ein weiterer Tipp: Fachbegriffe gehören auf die Detailseiten, da nach diesen Begriffen in der Regel kaum ein Mensch sucht.

Produkte die uns verzaubern

Eines der Highlights auf dem World Usability Day, war für uns die Präsentation von Manfred Dorn (Phoenix Design Stuttgart): „Das magische Produkt. Wenn Qualität anziehend wirkt.“ Wie entsteht Anziehungskraft, Ausstrahlung und Emotionalität von Produkten, die jeder haben möchte? Nicht nur Perfektion, Präzision und Qualität spielen hier eine sehr große Rolle. Reduktion, Reduktion und noch einmal Reduktion scheint hier das Schlüsselwort zu sein.
Es müssen aber auch Kompromisse zwischen Komplexität und Vereinfachung eingegangen werden. Dies zeigte Manfred Dorn am Beispiel einer Fernbedienung für ein TV-Gerät von LOEWE. Hier wurden so viele Tasten wie nötig, aber so wenige wie möglich eingefügt, um dem Konsumenten eine möglichst übersichtliche und einfach zu nutzende Fernbedienung zu liefern.
Auch die Beispiele eines Touch-Pannels für einen Dampfkessel von Vissmann und die Bedienoberfläche der elektronischen Duschsteuerung Rainbrain, wurden dem Zuhörer näher gebracht, inklusive Erläuterung, welche Gedanken dahinter steckten. So wurde bei der Duschsteuerung darauf geachtet, dass diese auch mit Schaum in den Augen noch gut lesbar ist. Das Touch-Pannel des Dampfkessels soll durch einen virtuellen Blick ins Innere des Kessels, Emotionen beim Nutzer erzeugen. Der Referent zeigte anhand der vielen Entwicklungsschritte auf, dass es durchaus ein langer Weg ist, bis ein solch „Magisches Produkt“ endlich am Markt platziert werden kann.

Keine Langeweile in den Pausen

In den Pausen wurde uns digiparden auch so einiges geboten. Es konnten zahlreiche Stände zu den Themen Gebrauchstauglichkeit von Produkten und alternative Bedienkonzepte besucht werden. So konnte beispielsweise eine Zeitleiste, die auf Monitoren angezeigt wurde, allein durch die eigene Körperposition gesteuert werden.
Mit Hilfe des Fahrradkonfigurators von ROSE, konnte an einem riesigen Touch-Display, ein passendes Rad zusammengestellt. Auch die von Phoenix Design vorgestellten Touch-Pannels, konnten getestet und bestaunt werden.

Auf den Bildschirmen konnte die Zeitleiste des Fraunhofer-Instituts allein durch Bewegungen und Gesten gesteuert werden.

Alles in allem war es ein aufschlussreicher Tag. Egal ob Usability-Neueinsteiger oder Routinier im Bereich Bedien- und Benutzerfreundlichkeit, für jeden war etwas dabei. Beim nächsten Mal sind die digiparden ganz bestimmt wieder anwesend!
Um ein paar visuelle Eindrücke zu vermitteln, haben wir eine Bildergalerie zusammengestellt. Ein großes Dankeschön an das Organisationsteam des Stuttgarter World Usability Day 2011 und Fotograf Gordon Koelmel, deren Bilder wir hierzeigen dürfen.

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